Familien-Backpacking durch Südostasien

Vietnam
August 2016
Vorbereitungen
Wenn einer eine Reise macht – muss er sie auch vorbereiten!
Dieses Mal mussten wir folgendes organisieren:
Ankunft im Gewusel
Nach gut 12 Stunden Flug mit einer Zwischenlandung in Abu Dhabi, UAE, dem Land der „Verschleierten“, sind wir am Abend in Saigon (Ho-Chi-Minh-Stadt), im Herzen von Indochina angekommen.
Saigon. Es ist alles wie von Freunden beschrieben, in Reiseführern und in Blogs gelesen: Das Klima ist zunächst heftig, (hohe Luftfeuchtigkeit bei 28 °C), alle sind freundlich und hilfsbereit und überall pulsiert das Leben. Mit einem öffentlichen Bus ging es klimatisiert in die Innenstadt. Für umgerechnet 80 Cent pro Person bekommen wir eine 40 Minuten Busfahrt in einem modernen Bus, ein hilfsbereiter Schaffner merkt sich den Ausstiegspunkt jedes Fahrgastes und WLAN gibt es auch noch! Unglaublich. Dank GPS finden wir auch die in einer Hintergasse gelegene Unterkunft gut (Saigon Inn Hotel).
Durch die Zeitverschiebung von 5 Stunden sind wir noch nicht müde und so stürzen wir uns noch in den Trubel eines späten Sonntagabends in Saigon. Wir drehen eine Runde durch die umliegenden Straßen. Tausende Mopeds schieben sich vorbei an unzähligen Läden, Restaurants und Straßenverkäufern. Bald trinken wir etwas Kühles, sitzen auf Ministühlen und bestaunen das „Gewusel“. Unglaublich. Einige Touristen und vor allem junge Vietnamesen sind unterwegs, in den Sportsbars gibt es die englische Fußball Liga und vor uns dreht ein Straßenverkäufer gerade einen getrockneten Tintenfisch durch eine Walze und zerrupft ihn zu kleinen Fasern (?), die dann im schwimmenden Fett gebraten werden, und das alles auf einem Stand auf dem Moped.
Saigon
Nach einer ersten Nacht, in der wir dank Klimaanlage gut geschlafen haben, gibt es ein Frühstück im Hotel. Zwischen jungen Backpackern empfangen uns überfreundliche Frauen und erfüllen uns jeden Wunsch zum Frühstück. Für den ersten Tag in Vietnam entscheiden wir uns noch für die westliche Variante mit Rührei, Brot und Kaffee. Dazu gibt es allerlei tropische Früchte. So gestärkt brechen wir auf, um bei gut 30 °C die 7 Millionen Stadt Saigon zu Fuß kennenzulernen. Zuerst geht es zu einer Markthalle, auf der so ziemlich alles angeboten wird: Kleider, Früchte, Frösche, Tintenfische … .
Der weitere Weg durch die Stadt bringt eine Mischung von Straßenhändlern, modernen Kaufhäusern und tausenden Mopeds — an die muss man sich wirklich erst gewöhnen. Vor allem bei den Überquerungen von Straßen. Dazu braucht es Mut und Vertrauen in die Fahrer. In einer Schleife über das Ufer des Saigon Flusses geht es zum Wiedervereinigungs-Palast, der vor allem von Vietnamesen besucht wird. Der zu einem Museum erstarrte Präsidentensitz versetzt einen zurück in die 60er Jahre und ist von einer park-ähnlichen Anlage umgeben.
Als nächstes besuchen wir die Pagode des Jadekaisers. Mitten im Häusergewirr findet man die Anlage gar nicht leicht. Innen ist es aber beeindruckend, wie gläubige Buddhisten ihr Smartphone wegstecken, einen Bündel Räucherstäbchen anzünden und durch das Streicheln des „roten Pferdes“ Glück erhoffen. Zwischen den eher kitschigen Figuren ist es heiß und rauchig.
Da man als Europäer das lokale Bussystem nicht durchsteigen kann, gehen wir mit einer Kaffeepause zurück, um uns nach einer Erholung unter der Klimaanlage zum Abendessen erneut in das laute Gewirr zu stürzen. Bei frittierten Springrolls, gebratenen vietnamesischen Nudeln (das Gericht zu 2 Euro) und einem Saigon Bier (kostet im Restaurant zwischen 60 und 80 Cent) klingt der erste Tag in Vietnam aus.
Von morgens bis abends haben wir nur Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft erlebt und wenige westliche Touristen gesehen. Man wird nicht belästigt und kann sich auch im Gedränge sicher fühlen. Nur das Klima ist noch gewöhnungsbedürftig — aber wir sind ja auch gerade erst angekommen.
Mopeds überall – Erste Eindrücke vom Verkehr in einer vietnamesischen Stadt
Can Tho und das Mekong Delta
Die freundliche Dame vom Hotel, in deren Küche wir wieder frühstücken, erklärt uns, wie wir mit einem Taxi zum Zubringerbus und dann zum südlichen Busbahnhof Ben Xe Mien Tay kommen. Mit einem Bus der Futa Busline (Phuong Trang) fahren wir in 3 1/2 Stunden nach Can Tho, der zentralen Millionenstadt im Mekong Delta. Die Busse sind wirklich angenehm (Wasserflaschen, Klimaanlage und ein funktionierendes Internet). All das zu einem Preis von 4 Euro!
Wir kommen am frühen Nachmittag an und fahren mit einem Taxi in die Nähe der Unterkunft. (Hätten wir uns wahrscheinlich sparen können, da ein Ticket einen kostenlosen Shuttle beinhaltet.) Auch diesmal hat die Buchung über das Agoda Portal prima geklappt (Mekong Logis Guesthouse, 25 Euro im 4er Familienzimmer). Am Nachmittag ziehen wir los, denn wir wollen am Mekong Ufer für den nächsten Morgen eine Bootstour zu den schwimmenden Märkten organisieren. Auf dem Weg besuchen wir die Munirensay Pagode, wo wir von einem Khmer Mönch angesprochen werden. Er kann ganz gut Englisch und so kommen wir bei einem Tee ins Gespräch. Am Ende bekommen wir Glücksarmbänder und er ein gemeinsames Foto mit seinem Smartphone. In einer weiteren Pagode sind wir plötzlich in der Mitte einer buddhistischen Gebetszeremonie. Die Pagode ist dabei mit zahllosen leuchtenden Laternen geschmückt und vom Rauch der Räucherstäbchen getränkt.
Am Mekong Ufer finden wir bald ein Boot und vereinbaren mit der netten Bootsfrau eine Tour für den kommenden frühen Morgen. Auf dem Weg zurück zum Hotel probieren wir einige Spezialitäten von Straßenhändlern.
Can Tho – Szenen aus der Millionenstadt am Mekong
Am kommenden Morgen heißt es früh aufstehen, denn unser Boot startet um 5 Uhr 30. Die freundliche Frau wartet pünktlich auf uns. Auf einem kleinen flachen Boot knattern wir, angetrieben von einem „Rasenmähermotor“, in die Morgendämmerung. Nach einer guten Stunde kommen wir zum ersten der schwimmenden Märkte. Hier werden auf dem Fluss verschiedenste Früchte und Gemüse angeboten. Die Lastkähne sind dabei relativ groß. Auf dem dann folgenden Markt sind es nur noch kleine Boote, von denen ähnliche Waren angeboten werden. Man wird zwischen den Händlern hindurch gepaddelt und bestaunt die oft aufgetürmte Ware. Zurück geht es über sehr kleine Kanäle, vorbei an Mangroven, Palmen, Bananen und leider auch viel Müll. So müssen wir auch immer wieder helfen, die Schiffsschraube von Plastiktüten zu befreien. Gerade rechtzeitig vor einem heftigen Regenschauer halten wir bei einem Homestay, wo es Kaffee, Frühlingsrollen und unsere erste Pho (vietnamesische Nudelsuppe) gibt. Gestärkt geht es zurück nach Can Tho. Die Tour hat uns einen kleinen Einblick in die Wasserwelt des Mekong Delta gegeben. Für die 37 km Bootsfahrt waren wir 5 1/2 Stunden unterwegs (für insgesamt 24 Euro).
Durch die kurze Nacht und die Hitze des Tages sind wir geschafft und verbringen den wieder sehr windigen Nachmittag im kühlen Guesthouse. Dort organisieren wir auch die Weiterfahrt. Über die Futa Bus Webseite buchen wir den Übernacht-Bus nach Na Thrang (8,40 Euro pro Person) und über Agoda die nächsten Übernachtungen in einem Hotelturm in Na Thrang (Nice Hotel, 26 Euro 4er Zimmer mit Meerblick). Es ist erstaunlich wie reibungslos alles klappt!
Abends geht es noch einmal in die sehr quirlige Altstadt. Wir schlendern am bunt beleuchteten Mekong entlang und genießen einiges vom Streetfood.
Am folgenden Tag runden wir den Aufenthalt in Can Tho mit dem Besuch des Can Tho Museums (interessant, aber kein Muss) und einer weiteren Khmer Pagode ab. Nachmittags geht es dann mit dem Bus zurück nach Saigon, wo wir um 21 Uhr abends pünktlich zur 11-stündigen Fahrt (über Nacht) nach Nha Thrang starten.
Insgesamt ist das Chaos gut organisiert. Alle sind extrem freundlich und hilfsbereit. Auf Vereinbarungen und Buchungen kann man sich wirklich verlassen.
Nha Trang – wenig Fische, viele Russen
Die erste Übernacht-Busfahrt ging eigentlich ganz gut. Hat man sich einmal in die Liegesitze eingefaltet, warm angezogen und Ohrschutz eingelegt, dann wird man irgendwann in den Schlaf gewackelt. Zweimal hat der Bus angehalten. Beim letzten Stopp um 5 Uhr denken wir zunächst an eine Pause. Als dann alle ausgestiegen sind, bekommen auch wir mit, dass wir schon am Ziel in Nha Trang sind. Es dämmert und dieses Mal kennen wir das System und lassen uns mit einem kostenlosen Shuttlebus zum Hotel fahren. Da wir um 6 Uhr in der Früh noch nicht einchecken können, stellen wir das Gepäck unter und gehen frühstücken. Schon jetzt hat es weit über 30 C.
Bald können wir in das Hotel (Nice Hotel, 27 Euro für ein 4-Bett Zimmer) und ruhen uns von der doch kurzen Nacht aus. Dann geht es an den Strand. Zum ersten Mal baden wir im südchinesischen Meer. Es ist sehr wam, frischt aber doch noch etwas ab. Nach einer Kaffeepause gehen wir am Strand entlang und über eine Brücke zu den Cham Türmen, über 1000 Jahre alte, hinduistisch angehauchte Schreine. Die Hitze ist zwar brutal und die Touristen sind zahlreich, trotzdem fühlt man in den dunklen und rauchigen Kammern eine spirituelle Aura. Zurück in die zentrale Stadt durchqueren wir sehr „wenig touristische“ Bereiche. Wir gehen am Strand entlang, unzählige Einheimische suchen nun die Erfrischung im Meer. Auch wir stürzen uns im Dunkeln in die Fluten.
Der Großteil der Stadt Nha Trang besteht aus schon fertigen Hotels, Baustellen für mehr Hotels und vielen Touristen, vor allem Chinesen und Russen. Viele Geschäfte und Restaurants sind nur in diesen Sprachen beschriftet und die Preise sind gleich in Rubel und Yen angegeben. Man findet aber in den kleinen Gassen auch noch von Vietnamesen besuchte Ecken.
Für den nächsten Tag organisieren wir am Hotel ein Boot für die „4-Island“ Tour. Es kostet pro Person 6,20 Euro (plus 2,50 Euro Inselgebühren unterwegs). Nach einem Abendessen flüchten wir nur noch ins gekühlte Hotel.
Am kommenden Morgen werden wir pünktlich von einem Shuttle zum Hafen im Süden der Stadt gefahren. Am Anleger wimmelt es nur so. Aber auch hier hat das Chaos System. Der Guide verliert uns nicht aus den Augen und sogar das Ticket wird kontrolliert. Zusammen mit fast 40 Anderen landen wir auf einem der hier üblichen, relativ fertigen Tourboote. Erstaunlicherweise sind nur Chinesen und Vietnamesen an Bord.
Wir tuckern los und bei angenehmen Fahrtwind sind wir nach 1 Stunde an der ersten Insel. Dort muss man aussteigen und hat 2 Stunden Zeit. Hier ist die Hölle los. Wir sind aber die einzigen, die wohl ernsthaft Schnorcheln wollen. So schwimmen wir einfach an der Insel entlang, auf der Suche nach weniger trüben Wasser. 200 m östlich wird es besser und wir sehen einige Korallen und „bunte Fische“. Aber es gibt auch immer wieder Müll und das Meer ist durch den Wind relativ aufgewühlt.
Zurück auf dem Boot geht es nur ein kurzes Stück zu einem schwimmenden Restaurant an einer bewohnten Fischzucht. Hier bekommen auch wir auf dem Boot ein einfaches, aber schmackhaftes Lunch. Unter lauter Asiaten ist das eine Erfahrung für sich. Im Anschluss wird auf einem Nebenboot eine Live Gesangsschow geboten. Die Guides greifen zum Mikrofon und die Musik dröhnt. Ein bisschen Karaoke auf dem Meer! Anschließend springen noch ein paar ins Wasser, aber bei der „floating Bar“ wollen nicht viele mitmachen. So geht es weiter zur nächsten Insel. Hier bekommt man wenigstens einen Liegestuhl und kann noch einmal baden. Nach einer Stunde geht es um die Insel herum und man legt ein letztes Mal an einem Aquarium an. Das kostet extra, muss aber nicht angeschaut werden. Wir entscheiden uns für einen eisgekühlten vietnamesischen Kaffee in der frischen Meeresbrise. Der Rest der Tour, zurück zum Anleger und ins Hotel, klappt problemlos. Gegen 17 Uhr sind wir wieder zurück.
Es war ein Erlebnis, weniger wegen dem etwas enttäuschenden Schnorcheln, sondern mehr das Eintauchen in eine ausschließlich asiatische Touristengruppe. Am Ende waren es auch nur 2 Inseln (eine mit Anlegen auf beiden Seiten!) und der Guide meinte das Meer wäre heute zu unruhig für die äußere Insel (Hon Mun) gewesen! Trotzdem ok für den Preis.
Nha Trang – Bootstour zu den Inseln
Im Hotel reservieren wir 2 Mopeds für einen Ausflug am nächsten Tag und organisieren die Weiterreise. Die Rezeption bucht uns für den kommenden Abend einen Übernacht Bus nach Hoi An (8,80 Euro pro Person). Das klingt jetzt alles sehr luxuriös. Wir reden hier aber von einem 1 Sterne Hotel und dieser Service ist hier normal. Es kostet auch nicht mehr und man kann sich (bis jetzt) darauf verlassen.
Ba Ho Wasserfälle
Wir checken aus unserem Zimmer aus und stellen das Gepäck unter. Nach einem schnellen Frühstück in der Gasse direkt vor dem Hotel schwingen wir uns zum ersten Mal auf ein Moped (hier Motorbike genannt, 100000 Dong=4 Euro/Tag). Eine wirkliche Einweisung erhält man nicht, nur eine Info, wo die nächste Tankstelle ist. Zum Glück haben die (ziemlich fertigen) Kisten eine Automatik. Die größte Herausforderung ist der Verkehr. Mitten durch Nha Trang geht es zur Tankstelle. Diese ist geschlossen, aber es sitzen alte Frauen davor, die einen mittels Handpumpe betanken. Dann geht es endlich zum ersten Mal heraus aus der Stadt und wir fahren die schöne Küstenstraße entlang nach Norden.
Irgenwann müssen wir dann auch auf der großen 4-spurigen N1 fahren. Da wird es wieder spannend: Hupende Sattelschlepper und Busse zeigen einem deutlich, wer das Sagen hat. Dank unseres GPS finden wir den Abzweiger zu den Ba Ho Wasserfällen gut. Es geht durch Reisfelder bis zum Parkplatz am Straßenende. Dort bezahlen wir die Parkgebühr vom 4000 Dong und den Eintritt ins Tal von 25000 Dong (1 Euro) pro Person. Dann geht es bei schon echt hohen Temperaturen ca. 2 km entlang des leider wenig wasserführenden Baches bis oberhalb des 3. Wasserfalls. Der dschungelartige Bewuchs und die Felsformationen im Bachbett sind wirklich schön. Leider liegt aber auch viel Müll herum. Da wir früh dran sind, sind wir fast alleine. In einer schattigen Gumpe baden wir ausgiebig. Das Wasser erfrischt noch etwas und nach den hektischen Städten tut die Ruhe gut.
Auf dem Rückweg stoppen wir noch einmal beim Ba Ho 1. Wasserfall. Hier gibt es eine große Gumpe, in die man von Klippen springen kann. Inzwischen hat sich das kleine Tal mit einigen, vor allem auch einheimischen Touristen gefüllt. Es ist Sonntag und man geht mit der „Boom Box“ zum Picknicken!
Zurück am Moped müssen wir erst einmal Trinken, denn die Mittagshitze hat inzwischen zugeschlagen. Dann geht es hinaus aus dem Tal, ein kurzes Stück über die N1 weiter nach Norden, bevor wir in einer ca. 70 km weiten Schleife nach Westen wieder nach Nha Trang zurückfahren. Der größte Teil der Strecke ist sehr ländlich mit Reis- und Zuckerrohrfeldern und immer wieder kleinen Straßendörfern. Es ist sehr grün und die Straßen sind gut zu fahren. Irgenwann stoppen wir an einem kleinen „Cafe“ und erfrischen uns. Wir haben den Eindruck, dass hier noch nicht viele Touristen gesichtet worden sind. Aber alle sind sehr freundlich und überall winken einem Kinder zu.
Nach diesem ersten Eindruck des ländlichen Vietnams geht es zurück in den abendlichen Verkehrswahnsinn von Nha Trang. Zwischen tausenden Mopeds finden wir aber gut zurück. Nach gut 110 km auf einem Moped und an einem sehr heißen Tag (35 °C) sind wir froh, dass uns das Hotel noch eine Dusche anbietet. Erfrischt essen wir auf der Straße noch ein Bánh Mi (vietnamesisches Sandwich, das es überall im Straßenverkauf gibt und nur 10000 Dong, also 40 Cent kostet).
Dann werden wir vor dem Hotel pünktlich um 18:30 Uhr vom Schlafbus nach Hoi An abgeholt. Dieses Mal mit der Busgesellschaft Cuc Tung und es dauert über 2 Stunden, bis an verschiedenen Stellen der Stadt weitere Reisende (vor allem europäische Backpacker) und allerhand Reisegut eingeladen sind und wir wirklich losfahren. Nach ca. 10 Stunden sehr holpriger Fahrt kommen wir um 6 Uhr früh in Hoi An an.
Hoi An – Altstadt mit vielen Laternen
Um 6 Uhr morgens erreichen wir in Hoi An eine Busstation ca. 1 km außerhalb des Zentrums. Wir gehen zu unserer Unterkunft (May Thrang Homestay, auf einer Insel direkt gegenüber der Altstadt, 27 Euro im 4-Bett Zimmer, einschließlich eines leckeren Frühstücks). Obwohl es erst 7 Uhr morgens ist, werden wir freundlich mit einem Kaffee und Saft empfangen. Da wir noch nicht in unser Zimmer können, erkunden wir in den nächsten Stunden die Altstadt.
Hoi An hat UNESCO Weltkulturerbe Status. Der Thu Bon Fluss versandete seit 200 Jahren immer mehr, weshalb der Handel auf Da Nang ausgewichen ist. Die Stadt blieb auch vom Vietnamkrieg relativ verschont. Erst der Tourismus weniger Jahrzehnte hat die Stadt wieder erblühen lassen. Durch diesen Status wurden bisher Bausünden verhindert und es wurde geschafft, die Mopeds für die meiste Zeit des Tages aus der Altstadt auszusperren.
Die mehrere Hundert Jahre alten Häuser am Ufer des Flusses können ebenso wie einige chinesische Versammlungshallen, Museen und Pagoden gegen Gebühr besichtigt werden (knapp 5 Euro für 5 Sehenswürdigkeiten, die beliebig aus 18 möglichen ausgesucht werden können). Zuerst besuchen wir die Handwerksausstellung, in der es zwei Mal am Tag eine Vorführung von traditioneller Musik und Tanz gibt. Ganz abwechslungsreich, nur ist es inzwischen schon wieder unerträglich heiß. Weiter geht es zur Phuoc Kien Versammlungshalle und zurück durch die Altstadt zur japanischen Brücke. Die gesamte Altstadt ist eine Ansammlung von Touristenläden, die in alten Häusern untergebracht sind. Neben „normalen“ vietnamesischen Souvenirs wird viel Kleidung (auch maßgeschneidert) und Kunsthandwerk angeboten. Es ist kein Freilichtmuseum, aber die Gesamtheit der kompletten Altstadt ist trotzdem beeindruckend. Interessant ist auch der Markt östlich der Altstadt. Hier wird alles angeboten und dementsprechend geschäftig geht es hier zu.
Nach einer ausgiebigen Erholungspause im Homestay gehen wir am späten Nachmittag erneut los. Dieses Mal präsentiert sich die Altstadt ganz anders. Es wimmelt von Touristen auf allen Straßen. Überall werden einem Bootsfahrten auf dem Fluss, schwimmende Lichter, Abendessen … angeboten. Die nachlassende Hitze des Tages und die Lichter von Tausenden Laternen, die mit der Dämmerung angeschaltet werden, haben die Stadt zu neuem Leben erweckt. Aber genau dafür ist Hoi An bekannt und die Szenerie ist wirklich einzigartig. Wir beenden den Tag mit einem Abendessen auf der Flussinsel etwas abseits des gesamten Trubels und genießen einige der Spezialitäten, die es nur in Hoi An gibt.
Am folgenden Tag unternehmen wir eine lange Mopedtour zu den Cham Ruinen von My Son und den Marbel Mountains bei Da Nang. Aber am Tag unserer Abreise aus Hoi An besuchen wir erneut den Markt und die Altstadt.
Vor allem die Versammlungshalle der Chinesen aus Chaozhou ist sehr beeindruckend. Am Vormittag ist man hier alleine und kann in Ruhe vor allem die außerordentlichen Schnitzereien dieses mit mehreren Schreinen versehenen Gebäudekomplexes betrachten. Die Besichtigung eines der seit vielen Generationen bewohnten Häuser (wir besuchen das der Familie Phun Hung) finden wir dagegen nicht so spannend. Das Haus ist zwar alt und sehenswert, aber innen nichts anderes als ein weiterer Laden für Touristen. Zurück am Homestay werden wir mittags von einem Sammel-Shuttle von Camel Travel (Busgesellschaft) zum Bus gebracht und fahren in gut 3 Stunden nach Hue, hinein in den Regen (Preis ca. 5 Euro pro Person). Es ist bis jetzt der schlechteste Busservice und wir werden außerhalb des Zentrums in einer Nebenstraße abgesetzt. Zum Glück regnet es gerade nicht und wir können zu Fuss zu unserem Guesthouse in der Nähe des „Parfümflusses“ gehen (Phong Lan Guesthouse, 19 Euro im 4-Bett Zimmer).
My Son und Marble Mountains
Für die Besichtigung der Cham Ruinen von My Son leihen wir uns erneut Mopeds. Um auf die Südseite des Thu Bon Flusses zu kommen, müssen wir zunächst fast bis zur Küste fahren. Dort gibt es eine gerade fertiggestellte Brücke. Der Rest der 40 km langen Anfahrt führt über kleine Straßen und durch eine ländliche Gegend. Schon jetzt am Vormittag schlägt die Hitze zu. Und so nehmen wir für den Eintritt von 6 Euro (150.000 Dong) gerne den Shuttle zu den Ruinen der Cham Kultur (UNESCO Weltkultureerbe) in Anspruch.
Das Gelände beherbergt in einem kleinen Hochtal, umgeben von Dschungel bewachsenen Bergen, eine Ansammlung von bis zu gut 1500 Jahre alten Ruinen der Cham Kultur. Sie wurden erst durch französische Kolonialherren wieder entdeckt und leider im Vietnamkrieg von amerikanischen Bomben teils schwer beschädigt. Es sind alte Tempelanlagen in unterschiedlichem Erhaltungsgrad. Vor allem durch den umliegenden Dschungel wirken die Ziegelbauten beeindruckend. Die zahlreichen Touristen verteilen sich erstaunlich auf die große Anlage, die auf jeden Fall einen Besuch wert ist.











Nach dem durch die Hitze anstrengenden Besuch fahren wir ca. 10 km zurück und erholen uns bei einem „iced vietnamese coffee„. Da wir noch weiter zu den Marble Mountains wollen, erkundigen wir uns nach einer Möglichkeit hier den Thu Bon Fluss zu überqueren. Schon die Anfahrt zur genannten „Fähre“ ist nur noch ein schmaler Sandweg. Das Boot selber ist ein größeres Ruderboot mit der Breite einer Mopedlänge. Über ein schmales Brett schaffen wir die Auffahrt und reihen uns bei den anderen ca. 10 Mopeds ein. Auf der anderen Seite angekommen ist die Abfahrt sogar noch spannender. Wir kommen zunächst in der Baustelle für eine große Brücke an. Doch auch dies und den restlichen Weg zu den Marble Mountains bei Da Nang meistern wir gut. Unterwegs essen wir am Straßenrand bei einer alten Frau je ein leckeres vietnamesisches Sandwich mit Ei (je 40 Cent). Sie freut sich über den großen Umsatz!
Dem Namen getreu bestehen die Marble Mountains aus Marmorbergen, die mit Pagoden, Höhlentempeln und Statuen bestückt sind. Für nur 60 Cent Eintritt muss man viele Stufen hinaufsteigen, kann durch Höhlen hindurchklettern und Pagoden und Tempel besichtigen. Auch hier ist es wieder der Gesamteindruck, der die Anlage einzigartig macht: religiöse Bauten in von Höhlen durchzogenen Hügeln mit einem Dschungel-Bewuchs.
Oben hat man Aussicht auf das Meer und Da Nang, die größte Stadt Zentralvietnams. Inzwischen dämmert es und so absolvieren wir mit der Rückfahrt von ca. 25 km nach Hoi An die erste Nachtfahrt. Wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, dass die Hälfte des Verkehrs ohne Scheinwerfer auskommt, gelingt auch dies. Wir sind auf jeden Fall froh, diese Tour mit dem Moped gemacht zu haben. Der Fahrtwind bringt immer etwas Abfrischung und man ist unabhängig.
Hue – Stadt der Kaiser
Da die Distanzen nicht groß sind, gehen wir zu Fuss zur Zitadelle. Eine der Hauptsehenswürdigkeiten in Hue ist die, in der gigantischen, quadratischen Zitadelle gelegene, ehemalige Stadt der Kaiser. Hue wurde vor ca. 200 Jahren zur Kaiserstadt ausgebaut und war bis 1945 Hauptstadt von Vietnam. In der nach chinesischem Vorbild aufgebauten „verbotenen purpurnen“ Stadt residierten die Kaiser mit ihren Konkubinen. Dementsprechend groß und inzwischen teils wieder prunkvoll restauriert sind die verschiedenen Gebäude des Areals. Manche Teile wurden leider in den Wirren des Vietnamkriegs zerstört oder beschädigt und sind seitdem noch nicht wieder aufgebaut worden.
Wahrscheinlich wegen der Hitze treffen wir bei unserer fast 3-stündigen Erkundigung des großen Geländes erstaunlich wenig Touristen. In kleinen Fotoausstellungen bekommen wir eine Vorstellung, wie es wohl zu Kaisers Zeiten gewesen sein muss. Am Schluss besuchen wir noch außerhalb der inneren Mauer das Kunstmuseum, das Gegenstände aus der Kaiserzeit ausstellt (im Ticket der Kaiserstadt für 6 Euro eingeschlossen).
Zitadelle und Kaiserstadt in Hue
Auf dem Weg zurück zur Unterkunft durchqueren wir noch den Markt Dong Ba am Parfümfluss. Hier gibt es, wie auf allen Märkten, lauter interessante Waren zu entdecken und man trifft fast ausschließlich Vietnamesen. Dann flüchten wir uns aufs Zimmer, da es sich, wie an den vergangenen Nachmittagen, bedrohlich bewölkt hat und Regen droht. Bereits am Vortag hat es heftigst geschüttet. Denn Regen heißt hier, dass Bäche vom Himmel kommen.
Am nächsten Morgen mieten wir ein Moped, da es die einfachste Möglichkeit ist, eine der Pagoden und eines der außerhalb der Stadt gelegenen Kaisergräber anzuschauen. Wir fahren die wenigen Kilometer zur schön am Fluss gelegenen Thien Mu Pagode. Die Tempelanlage hat auch einen schönen Garten und einige beeindruckende Bonsais (Besuch ist kostenlos).
Thien Mu Pagode
Weiter geht es zur Grabanlage des Kaisers Tu Duc (Eintritt 4 Euro). Dieser hat sich schon zu Lebzeiten eine große Anlage um den Platz für seinen Sarkophag anlegen lassen. Im Garten befindet sich ein Stelenpavillion mit einer 20 t schweren Granitstele, auf der Tu Ducs Biographie mit mehr als 5000 Zeichen gemeißelt wurde. In dieser ruhigen und grünen Anlage sind wir fast alleine. Nach einem Kaffee knattern wir zurück in die hektische Stadt, duschen, checken aus und verbringen die restlichen Stunden in einem Café mit Lesen, Blog schreiben und warten auf den Bus.
Grabmal von Kaiser Tu Duc
Hue – Vietnamesische Folklore am Grabmal des Kaisers Tu Doc
Gegen 17 Uhr steigen wir in einen Sleeper Bus von Queen Cafe Open Bus (kein wirklich guter Service). Für 6 Euro pro Person sind wir 4,5 Stunden später in Phong Nha beim Nationalpark Phong Nha Ke Bang und fallen in die Betten des Duong Homestay (19,50 Euro fur ein 4-Bett Zimmer mit Frühstück). Hier will man uns auch gleich die ganz große Tour durch die Höhlen des Nationalparks verkaufen, doch wir organisieren uns nur noch 2 Mopeds zum Standardpreis von je 4 Euro für den nächsten Tag.
Phong Nha – Paradise Cave
Nach einem bescheidenen Frühstück in unserem einfachen Hotel in Phong Nha übernehmen wir zwei Mietroller und fahren, da die Straßen nach dem Regen vom Vortag wieder trocken sind, zuerst über einen kleinen Bergpass nach Süden und am Ende nach Westen zum Abzweiger zur „Paradise Cave„. Die Strecke ist teils steil, aber gut zu fahren und landschaftlich herrlich. Sie führt einsam durch unberührte Dschungeltäler. Am Parkplatz der Höhle (5000 Dong pro Bike) ist dagegen einiges los. Es ist Samstag und viele Vietnamesen sind zu einem Ausflug unterwegs. Erstaunlich, denn der Eintritt ist mit umgerechnet 10 Euro pro Person (250.000 Dong) unser bisher höchster Eintritt in Vietnam.
Die ersten flachen 2 km bis zum Aufstieg gehen wir zu Fuß. Dann geht es einige Serpentinen auf einem geteerten Weg zum Höhleneingang hinauf. In der Höhle kann man sich auf dem ca. 1 km langen Weg auf Holzstegen frei und ohne „Guide“ bewegen. Dadurch kann man anderen Touristen gut entkommen und sich wirklich Zeit lassen, die mal riesigen Hallen, mal imposanten Tropfsteingebilde auf sich wirken zu lassen.
Die Höhle ist eines der Highlights des Phong Nha-Ke Bang Nationalparks und wurde erst vor gut 10 Jahren entdeckt. Mit 31 km Länge gilt sie als die längste Trockenhöhle Südostasiens. Als normale Besucher sehen wir also nur einen kleinen Anfangsbereich. Trotzdem ist dieser schon sehr schön und abwechslungsreich, mit unglaublichen Tropfsteingebilden. Schade nur, dass viele Lampen die Formationen nicht indirekt beleuchten, so dass man immer eine Perlenschnur von weißen Lichtern sieht. Nach 2 Stunden in angenehmer Kühle geht es wieder hinaus in die Schwüle.
Paradise Cave
Nach einem kurzen Essen im Restaurant am Parkplatz fahren wir mit dem Moped über die normale Anfahrtsstraße, die teils über den ehemaligen Hoh Chi Minh Pfad führt, zurück nach Phong Nha und folgen der Straße am Fluss entlang bis zu ihrem Ende. Hier kann man schön den Eingang zur Phong Nha Höhle, aus der der Fluss hier austritt, sehen. Alle Touristen sind entzwischen weg und wir erleben eine schöne ruhige Abendstimmung.
Später holen wir unser Gepäck vom Hotel, essen in dem sehr überschaubaren Ort zu Abend und warten auf die Abfahrt unseres Übernachtbusses nach Ninh Binh (Sleeper Bus von Queen Cafe Open Bus, ca. 9 Euro pro Person). Dieser kommt mit fast 1 Stunde Verspätung und so geht es erst gegen 22 Uhr für uns weiter nach Norden.
Wir hatten also nur 24 Stunden Zeit für diesen Nationalpark und seine faszinierenden Höhlen, trotzdem hat es sich gelohnt – vor allem auch die Kombination mit einer Rundfahrt durch die schöne Karstlandschaft.
Ninh Binh – Karst und riesige Buddhas
Nach einer durchgerüttelten Nacht in dem schon etwas heruntergekommenen Bus werden wir, wieder ohne jede Vorwarnung, erst am Zielort aufgeweckt. Es ist 4:30 Uhr in der Nacht (Ankunft laut Fahrplan war 6 Uhr!) und wir stehen im finsteren Ninh Binh! Da es zu regnen beginnt, legen wir gleich zu Fuß die gut 1,5 km zum Hotel zurück. Mit Glück erreichen wir noch relativ trocken das Vordach des noch verschlossenen Hauses. Dann beginnt es zu schütten (und hört bis nachmittags nicht mehr auf). So verbringen wir den ersten Regentag in Vietnam zunächst mit Warten. Gegen 7 Uhr kommt jemand und läßt uns tatsächlich schon auf die Zimmer. Wir schlafen erst einmal aus.
Mittags treibt uns der Hunger wieder hinaus. Mit Regenschirmen laufen wir durch die triefenden Straßen. Es ist leer und ruhig – wie ausgestorben. Ist es der Regen oder der Sonntag? Trotzdem finden wir ein einfaches vietnamesisches Lokal und sind froh, die Küche erst nach dem Essen zu sehen. Den Markt erleben wir auch ganz anders. Mangels Kundschaft schläft ein Teil der Marktfrauen hinter ihrer Ware!
Am Nachmittag bessert sich das Wetter und so fahren wir mit Rädern ca. 5 km zur Huang Mua Höhle (Eintritt 100.000 Dong = 4 Euro). Nach der Paradise Cave vom Vortag beeindruckt uns nicht die kleine Grotte am Fuss des Berges, sondern die Aussicht von diesem, die man sich aber über 500 steile Stufen hinauf erst verdienen muss. Zum Glück hat der Regen abgekühlt und durch den späten Nachmittag sind wir fast alleine unterwegs. Kurz vor Sonnenuntergang blicken wir über die Karstberge und die dazwischenliegenden Reisfelder. Wir genießen die Ruhe umd Aussicht! Auch die Rückfahrt mit den Rädern durch die Dämmerung vermittelt einen ganz anderen Eindruck als mit einem lauten Moped.
Auf Grund der Strecke geht es aber am kommenden Morgen wieder mit Mopeds los. Wir fahren nach Trang An. Wir sind früh dran, aber auch hier sieht es so aus, dass der Parkplatz ganz andere Touristenströme gewohnt ist. Für 150.000 Dong pro Person (6 Euro) starten wir mit einem kleinen Ruderboot (max. 4 Personen) eine mehrstündige Rundtour durch die Karstlandschaft der so genannten „trockenen Halong Bucht„. Es ist ein einzigartiges System von Seen, die über wasserführende Höhlen verbunden sind.
Heruntergebeugt auf die flachen Boote werden wir durch bis zu 350 m lange spärlich beleuchtete Höhlen gerudert. Wirklich einzigartig! Dazwischen durchquert man in den Dschungel eingewachsene Seen, die von steil aufragenden Karstfelsen umrahmt sind. Auch an drei Tempeln wird angehalten und man kann diese in Ruhe genießen. Es ist erstaunlich wenig los. Vor allem der letzte Tempel, „Phu Khong„, ist sehr kunstvoll ausgestaltet. Die Bauten passen sehr gut in diese fast mystische Landschaft. Nach über 3 Stunden sind wir wieder am Ausgangspunkt. Für die Ruderinnen war es sicher nicht so entspannend, auch wenn wir fleißig mitgepaddelt haben.
Weiter geht es mit dem Moped nach Nordwesten, nach Chua Bai Dinh, dem 2008 neu gebauten, größten buddhistischen Pagoden- und Tempelkomplex Vietnams. Dieser liegt auf einem Hügel am Rand der Karstberge und hat wirklich gigantische Ausmaße. Vom Parkplatz muss man innerhalb des Geländes 2 km mit einem Golfcar zum Fuß der Anlage fahren. Von dort geht man in einer hölzernen Galerie entlang hunderter Stein-Buddhas hinauf zu einer riesigen Glocken-Pagode und weiter zu mehreren Tempeln mit bis zu 10 m großen vergoldeten Buddhas. Eingebettet ist alles in eine schöne Gartenanlage. Es ist erstaunlich wenig los. Wir sind fast alleine und mit der ruhigen Hintergrundmusik entsteht eine beruhigende Stimmung. Auf dem Gipfel des Hügels steht eine bronzene Buddha Statue und man hat eine schöne Aussicht auf die umliegende Landschaft.
Zurück in Ninh Binh essen wir im Restaurant des Hotel einfach aber gut zu Abend. Für den kommenden Morgen haben wir eine Busfahrt mit einem Lokalbus nach Hai Phong organisiert. Der Bus soll uns um 6:20 Uhr abholen und in ca. 3 Stunden (für ca. 100 km!) in die Küstenstadt bringen (4 Euro pro Person, bei direkter Abholung vor dem Hotel), damit wir von dort mit einem Schnellboot auf die Insel Cat Ba übersetzen können.
Ninh Binh – Karstlandschaften
Cat Ba – Kajaken in der Lan Ha Bucht
Wie bisher kommt auch an diesem Morgen der Bus ganz pünktlich. Der Hotelbesitzer ist sogar extra aufgestanden und hat uns mit kleinen Baguettes und Wasser versorgt.
Nach gut 3 1/2 Stunden ziemlich rumpeliger Fahrt in einem kleinen, nicht klimatisierten Bus kommen wir in der großen Küstenstadt Hai Phong an und werden in der Nähe der Bootsanleger entlassen. Wir kaufen Tickets für eine Schnellboot-Bus Kombination nach Cat Ba City (45 Minuten Schnellboot plus 1 Stunde Bus-Transfer vom Anleger nach Cat Ba City für ca. 5 Euro = 130.000 Dong pro Person) und können unser Gepäck bis zur Abfahrt um 13 Uhr hier unterstellen. Die kommenden 2 Stunden nutzen wir unter anderem für einen Haarschnitt bei einem Straßenfriseur. Für umgerechnet 2 Euro sitzt man auf einem ausrangierten Bürostuhl und wird zur Belustigung der Umstehenden sorgfältig mit einem Haarschnitt versehen. Er gibt sich wirklich Mühe und ich bin mit dem Ergebnis zufrieden.
Die 25 km lange Fahrtstrecke führt durch einen Seitenarm des „Roten Flusses“ entlang großer Hafenanlagen, vorbei an manchem Frachter, bei dem man sich wundert, dass er überhaupt schwimmt. Wenigstens der Bus, der uns weitere 25 km auf einer kleinen Inselstraße nach Cat Ba City bringt, ist gekühlt. Dort beziehen wir unser Zimmer im „Bay View Hotel“ (24 Euro für ein 4-Bett Zimmer mit Frühstück) und sind dieses Mal über den Zustand und die Sauberkeit etwas enttäuscht.
Später am Nachmittag wollen wir uns im Meer abkühlen und gehen die wenigen Minuten zum Cat Ba Beach 1 und weiter über einen schönen Fussweg oberhalb der Küste zum Beach 3. Die Bucht in Cat Ba City ist nicht zum Baden geeignet. Sie ist von einer Mauer eingefasst und es liegen viele Fischerboote vor Anker. Die drei Strände sind frei zugänglich und zum Baden OK. Allerdings ist die Qualität des Wassers enttäuschend. Es ist trüb und es schwimmt Müll herum. Es frischt trotzdem etwas ab und so schwimmen wir zum Sonnenuntergang zwischen lauter Vietnamesen.
Am kommenden Tag wollen wir selbstständig mit Seekajaks die Lan Ha Bucht erkunden. Per Mail reservieren wir bei „Blue Swimmer Adventures“ zwei Doppel-Kajaks. Dies klappt auch gut.
Nachdem es zum Frühstück einen kräftigen Regenguss gegeben hat, können wir die knapp 2 km zum Anleger Ben Beo in angenehmer Morgenluft gehen. Die Übergabe der Kajaks (22 Euro pro Boot) gestaltet sich etwas schwierig. Der Steg zum Lagerplatz der Kajaks ist „weg“ und so muss erst ein Boot zum Übersetzen organisiert werden. Gegen 9:30 Uhr sind wir dann auf dem Wasser.
Auf den ersten 2 Kilometer durch ankernde Fischerboote und schwimmende Fisch- und Muschelfarmen sind wir entsetzt über die Wasserqualität und den Müll. Zeitweise paddeln wir durch eine schillernde Ölspur! Und das in einem Nationalpark, für den man pro Tag 40.000 Dong Eintritt zahlen muss. Das Wasser wird zwar im Laufe unserer 20 km Runde durch die Lan Ha Bucht besser, aber es bleibt immer relativ trüb und Schnorcheln lohnt sich nicht. Nach einer Stunde landen wir an einem schönen Sandstrand an und baden. An der Außenseite der mit vielen imposanten, steil aufragenden und von Dschungel überzogenen Karstinseln gespickten Bucht gibt es einige Sandstrände, an denen man gut anlanden kann. Ansonsten ragen die Felsen senkrecht aus dem Wasser. Nur mit Hilfe eines GPS findet man hier den Weg durch die verwinkelten Wasserarme.
Mittags wird es im Boot fast unerträglich heiß und so suchen wir einige Male den Schatten einer Felswand, einer Grotte oder einer niedrigen Felsdurchfahrt auf. Die Landschaft ist absolut einzigartig und fazinierend. Nur manchmal tuckert ein kleines Fischerböotchen durch, sonst sind wir alleine. Nach insgesamt 3 Stopps an kleinen Stränden geben wir erst um 18 Uhr die Kajaks wieder zurück und sind ganz schön geschafft. Vor allem die schweren Paddel entsprachen nicht dem, was wir gewohnt sind. Trotzdem war es ein tolles Erlebnis völlig frei durch diese Inselwelt zu kajaken.
Mit dem Seekajak unterwegs in der Lan Ha Bucht
Lan Ha – Mit dem Kajak durch die Halong Bucht
Am nächsten Vormittag haben wir noch Zeit für einen Badeausflug zum Cat Ba 1 Beach. Heute sind wir fast alleine, das Wasser schaut etwas sauberer aus und es gibt schöne Wellen.
Um 12:30 Uhr beginnen wir die Fahrt zu unserem letzten Reiseziel, Hanoi. Mit einem Bus geht es zu einem Anleger im Westen der Insel, dann per Schnellboot auf einer dieses Mal kürzeren Überfahrt ins Hafengebiet von Hai Phong und per klimatisierten Bus angenehm über die Autobahn in die Hauptstadt Vietnams. Das Ganze dauert 4 Stunden und kostet 9 Euro pro Person. Dort steigen wir nur 200 m von unserer Unterkunft am Rande der Altstadt aus (Hanoi Winter Hostel, 2 Bett Zimmer mit Frühstück für 12,50 Euro). Es ist ein kleines Hostel direkt in einer trubeligen Altstadtgasse. Die Zimmer sind einfach, aber sauber und zum Frühstück gibt es Pancakes oder Ei mit Toast.
Hanoi – Hauptstadt am National Feiertag
Den ersten Abend in Hanoi laufen wir zunächst einfach durch die Gassen der Altstadt, deren Gesamtheit UNESCO Weltkulturerbe ist. Da unser Hostel mittendrin liegt, geht das große Staunen sofort los. In der Altstadt gibt es historisch bedingt Gassen, die jeweils auf einzelne Waren spezialisiert sind. Das Hostel liegt in einer Gasse mit Fleisch, Fischen, Fröschen und einigem an Obst. In anderen gibt es Altäre, Haushaltsartikel, Spielzeug, Särge, Kleider oder … . Und zwischendrin fahren nicht zu wenige Mopeds, Räder und, wenn es die Breite der Gasse erlaubt, auch Taxis. Es ist ein unglaubliches Gewusel, doch das offensichtliche Chaos scheint seit hunderten von Jahren zu funktionieren.
Straßenszenen aus Hanoi
Irgendwann kommen wir an den Hoan Kiem See. Er ist das Zentrum der Stadt. Inzwischen ist es dunkel geworden und das Ufer, die Brücke zur Jadeinsel und der Schildkröten-Turm sind bunt beleuchtet. Hier gibt es auch Vorbereitungen für den morgigen National Feiertag, den Independence Day. Wir finden bald ein sehr gutes vietnamesisches Restaurant, das mehr als die üblichen 5 Speisen anbietet. Auf dem Rückweg werden wir von einem heftigen tropischen Gewitter überrascht. Wir können uns unterstellen. Innerhalb von Minuten verwandelt sich alles. Die Straßenstände und Händler verschwinden (wohin?), auf der Straße steht das Wasser. Nach 1 Stunde wird es leichter und wir laufen an den Häusern entlang zur Unterkunft.
Am nächsten Morgen, es ist der vietnamesische National Feiertag zu Ehren der Unabhängigkeit Vietnams am 2. September 1945, gehen wir zunächst Richtung Hoh-Chi-Minh Mausoleum. Wir umgehen das Regierungsgelände und sehen bald das große Mausoleum und die Schlange der Besucher. Wir gehen entgegen der endlosen Reihe von Besuchern, die den gläsernen Sarg des Volkshelden für wenige Sekunden betrachten wollen, Richtung Anfang der Schlange. Irgendwann geben wir auf, denn ein Besuch würde wohl stundenlanges Anstehen bedeuten.
Da schauen wir uns lieber den ca. 1000 Jahre alten „Literaturtempel“ an. Es ist eine sehr gepflegte und ummauerte Gartenanlage mit Tempeln, in der früher Geisteswissenschaften gelehrt wurden. Ein wohltuender Ruhepunkt in den sonst hektischen Straßen. Die anschließende Kathedrale lohnt keinen Besuch, schon eher der nahe gelegene Tempel „Ly Quoc Su„. Den Rest des Tages lassen wir uns einfach durch die Straßen und Gassen treiben. Abends umrunden wir dann, zusammen mit tausenden Vietnamesen die zum Feiertag gesperrte Ringstraße um den Hoan Kiem See. Es gibt nur wenige kleine Darbietungen. Den Menschen reicht es, mit ihren Kindern auf der Straße zu spazieren, ein Eis zu essen und den Abend zu genießen.
Szenen aus Hanoi am National Feiertag
Am Vormittag unseres letzten Reisetages machen wir erneut einen Versuch das Hoh-Chi-Minh Mausoleum von innen zu sehen. Aber samstags nach dem National Feiertag scheint auch kein guter Zeitpunkt zu sein. Die Besucherschlange ist wieder endlos. Und so verlassen wir Vietnam, ohne „Onkel Hoh“ gesehen zu haben. Für mittags hat uns unser Hostel ein „Privattaxi“ organisiert, das uns sehr komfortabel für 8 Euro zum 25 km außerhalb von Hanoi gelegenen Flughafen bringt.
Damit gehen 3 Wochen Vietnam zu Ende.
Tipps und Erfahrungen
Die folgenden Tipps und Erfahrungen sind keine Reiseanleitungen oder -regeln, sondern eine kleine Zusammenfassung von Erfahrungen, die wir nach unserer 3-wöchigen Reise durch Vietnam teilen möchten.
Wer war unterwegs?
Wir sind eine unternehmungslustige Familie mit zwei inzwischen großen Kindern (15 und 18). Normalerweise reisen wir per Fahrrad, Seekajak oder Auto und immer mit einem Zelt. Dafür ist Vietnam im Sommer nicht geeignet. Mit Bus und einfachen Unterkünften klappt es aber auch zu viert gut und muss dabei gar nicht viel kosten.
Vietnam – noch einmal?
Ja. Es gibt noch viel mehr zu sehen und zu erleben. Drei Wochen konnten nur einen ersten Eindruck geben. Die Menschen waren überall sehr freundlich und hilfsbereit. Wir haben uns immer sicher gefühlt und hatten nie den Eindruck als Tourist ausgenommen zu werden. Oft wurden wir z. B. darauf hingewiesen, was etwas kosten darf. Nur die Reisezeit würden wir, wenn möglich, anders wählen. Es war immer sehr schwül, mit extrem hoher Luftfeuchtigkeit und Temperaturen von 30-35 °C – und nachts nicht viel kühler. Anstrengend, aber machbar unter der Bedingung, dass die Zimmer in den Unterkünften eine Air Condition hatten. So konnte man nachts gut schlafen.
Busse und Mopeds
Wir sind mit verschiedenen Busgesellschaften gefahren (Futa, Camel Travel, Queen Cafe Open Tour und kleinere lokale Busse). Die Qualität der Busse und des Service unterscheiden sich, Futa (Phuong Trang) war eindeutig am besten. Die Busse auf den großen Strecken sind alle klimatisiert. So war es aber oft sogar zu kalt! Futa Bus haben wir online gebucht, die meisten Busse kann man aber auch in der jeweiligen Unterkunft leicht reservieren lassen und die Preise unterscheiden sich dabei nicht. Wir hatten uns von Anfang gegen ein Open-Tour-Ticket entschieden, da wir die Reiseroute flexibel halten wollten. In den Städten ist das lokale Bussystem allerdings schwer zu verstehen. Hier sind wir zu Fuß gegangen oder haben auch mal ein Taxi genommen.
In Vietnam sind Privat-Autos noch eine Ausnahme. Der allergrößste Teil der Bevölkerung nutzt – neben Bussen – Mopeds als wichtigstes Fortbewegungsmittel. Deshalb kann man überall leicht und für wenig Geld ein Moped ausleihen (4-5 Euro pro Tag, plus Benzin). Nach einem Führerschein wurde dabei nie gefragt und es wird davon ausgegangen, dass man mit so einem Gefährt umgehen kann. Bei Automatik-Mopeds war das auch für uns „Unerfahrene“ aber nicht schwer. Ein Auto zu leihen ist für Ausländer in Vietnam nicht wirklich möglich. Und so kann man motorisierte Unabhängigkeit nur mit einem Moped erleben. Und außerdem – ohne einmal mit dem Moped gefahren zu sein, hat man Vietnam nicht erlebt!
Unterkünfte
Wir haben ausschließlich in einfachen 1-Sterne „Hotels“ oder Hostels (und 3 Mal in einem Übernacht-Bus!) übernachtet. Nur die ersten beiden Unterkünfte hatten wir schon von Deutschland aus gebucht. Diese und alle weiteren, kurzfristig im Land reservierten Unterkünfte haben wir mit der „Agoda“ App gefunden und gebucht. Mittels Bewertungen, Fotos und Karten sind wir nie enttäuscht worden. Die Reservierungen 1-2 Tage im Voraus waren immer problemlos und wir wurden immer schon erwartet. Die Zimmer waren im Durchschnitt sauber, aber bei Bad und Bett gab es Qualitätsunterschiede. In dieser Kategorie muss man zu viert (zwei Doppelzimmer oder ein 4-Bett Zimmer, mal mit mal ohne Frühstück) mit umgerechnet 20-25 Euro pro Nacht rechnen. Die Besitzer waren meist sehr kulant. Wir haben mal um 7 Uhr morgens eingecheckt, mal erst um 18 Uhr abends ausgecheckt! Sie waren alle hilfreich bei der Organisation von Bussen, Mopeds oder Rädern.
Mücken
Wir haben keine gesehen. Erstaunlich, denn überall steht Wasser und es ist schwül-warm. Wir hatten zwei Mückensprays und Moskitonetze dabei, beides kam aber nie zum Einsatz. Insgesamt scheint es wenig Insekten zu geben. Abends sind bei Licht alle Häuser offen und – außer Geckos an den Wänden – wird vom Licht nichts angezogen. Solange man sich in den oben beschriebenen Unterkünften in Städten aufhält, benötigt man keine Sprays und Netze.
Wasser und Hygiene
Wir haben das Wasser aus den Leitungen nie getrunken, aber zum Zähneputzen verwendet. In der Cafes bekommt man oft zum Kaffee kalten grünen Tee mit Eiswürfeln. Überhaupt wird viel mit Eis getrunken, Smoothies, Kaffee, Säfte… . Ob für das Eis immer Flaschenwasser verwendet wurde, bezweifeln wir. Wir hatten aber nie Probleme, auch nicht auf dem Land. Auch beim Essen werden oft Kräuter, Salatblätter oder andere Rohkost gereicht. Wir hatten nie ernstliche Probleme damit, aber vielleicht auch einfach Glück gehabt.
Essen
Die Vielfalt der Speisen und der auf den Märkten angebotenen Lebensmitteln unterscheidet sich nach Region und Städten. Auf dem Land und in kleineren Orten ist die Auswahl deutlich geringer. Dementsprechend ist das Angebot auf den Speisekarten. Und so kann es auch mal eintönig werden, wenn es oft nur „Fried Rice„, „Fried Noodles“ oder „Pho“ in Varianten (Nudelsuppe) gibt. Westliche Gerichte, wie Burger, Pasta oder Pizza gibt es nur in touristischen Orten und sind preislich deutlich teurer als vietnamesische Speisen. Bei einfachem, aber gutem „Streetfood“ (z. B. ein Bánh mì, vietnamesisches Sandwich mit unterschiedlichen Füllungen, oder eine Nudelsuppe) kann man für 40 Cent bis 1 Euro essen, in einem Restaurant lagen wir meist bei 2-3 Euro pro Person. Es gab viel Neues zu probieren. Die Fotos stammen alle von einfachen Restaurants, so wie wir das Essen auf den Tisch bekommen haben.
Reiseführer und Karten
Wir hatten zwei Reiseführer (von „Stefan Loose“ und „Lonely Planet„) dabei. Beide waren nicht aktuell, aber geändert hatten sich meist nur die Eintrittspreise. Hier kann wahrscheinlich kein Reiseführer mithalten! Für die Übersichtsplanung haben wir die Vietnam Nord- und Süd-Karte von „Reise Know-How“ verwendet. Für die Navigation vor Ort (Stadt, Moped, Kajak) kamen „Openandromaps“ und die „Locus“ App zum Einsatz, sowie selbst erstellte digitale und topographische Karten auf einem Garmin GPS Gerät („MyOsmTopo„).



































































































































































































