Turin-Nizza (Ventimiglia) – Eine Bikepacking Radtour

Route Turin-Nizza (Ventimiglia)

Seit einigen Jahren gibt es durch die Seealpen eine Bikepacking Rally, die von Turin aus nach Nizza ans Mittelmeer führt. Sie wird alljährlich nicht als Rennen, sondern als Rally gefahren (Torino-Nice-Rally). Corona bedingt musste auch dieses Events 2020 leider abgesagt werden.
Jeder kann die Route aber einfach selbst als Radtour fahren. So sind wir zu zweit im September in Turin gestartet und haben nach ca. 700 km und ca. 19.000 Höhenmetern die Mittelmeerküste erreicht. An dieser entlang sind wir aber nicht nach Nizza, sondern in entgegengesetzter Richtung nach Ventimiglia in Italien geradelt. Das erschien uns in Corona-Zeiten sicherer und die Rückfahrt nach Turin ist von Ventimiglia ebenfalls problemlos. Damit sind wir 95 % des bekannten Turin-Nizza Tracks gefolgt und lassen die Radtour deshalb auch unter diesem Namen laufen.

Wir haben die 12 Tage im Bikepacking Stil verbracht, selbst-versorgend und draußen-schlafend. Da wir uns aber gegenüber einem “Bikepacker” einigen Luxus geleistet haben (ein geräumiges Zelt, einen Benzinkocher und sogar Stühlchen (->), sind wir nicht ohne klassische Gepäcktaschen ausgekommen. Das war aber kein Problem, wir hatten ja Zeit und wollten die fantastische Landschaft auch genießen.

Es war kälter, härter und einsamer als gedacht …. aber seht selber!

  1. Nord-Teil – Turin bis Cesana Torinese
  2. Mittel-Teil – Cesana Torinese bis Sampeyre
  3. Süd-Teil – Sampeyre bis Mittelmeer
  4. Was wir dabei hatten
  5. Unsere Route
Turin-Nizza (Ventimiglia)

Nord-Teil – Turin bis Cesana Torinese

Kurz nachdem wir Turin hinter uns gelassen haben, folgen wir ab dem Vorort Borgaro Torinese dem Fluss Stura di Lanzo. Die Route auf dem GPS ist gleich zu Beginn sehr hilfreich, denn manche Pfade sind halb zugewachsen und nicht gleich als “Verbindungsstücke” zu erkennen. Es geht ganz abseits des Verkehrs durch eine Auenlandschaft und durch Bauernland. Erst kurz vor Lanzo Torinese gibt es wieder Asphalt. Der Ort liegt am Rande der Berge und bietet neben der ersten Versorgungsmöglichkeit als Highlight die Ponte del Diavolo, eine mittelalterlichen Brücke an einer Engstelle des Flusses Lanzo.

Schon bald biegen wir in das Tal des Flusses Stura di Viu ab und radeln immer leicht bergan auf einer wenig befahrenen Straße bis zum netten Ort Viu. Wenige Kilometer danach beginnt der erste Passanstieg, gut 1000 Höhenmeter auf den Colle del Colombardo (1888 m). Bis zu den letzten Häusern (1200 m) ist die Straße geteert, dann folgt Schotter. Und der hat es gleich in sich! Der größte Teil ist recht locker und sehr steil (im Nachhinein war es vielleicht sogar die steilste Schotterpiste der gesamten Tour). Oben werden wir von einer Kirche und Kühen auf einem breiten Grassattel empfangen und genießen die fantastische Aussicht in die Berge und auf die Po-Ebene bei Turin.
Das Wetter ist schön und es klart immer mehr auf. Damit wird es aber auch immer kälter und wir sind froh, unser Biwak im Vorraum der Kirche zu verbringen. Gute Entscheidung, am Morgen ist der Tau gefroren!

Am nächsten Morgen folgen wir dem breiten Kamm. Nachdem die Straße bis auf ca. 2100 m angestiegen ist, geht es in unzähligen Kehren 1700 Höhenmeter hinunter nach Condove. Der größte Teil der Abfahrt ist eine kleine Teerstraße, auf der wir ins Tal rauschen können. Dann gibt es eines der wenigen ebenen Stücke auf der Tour. Auf einer gut befahrenen Straße geht es das Susa-Tal aufwärts, doch schon kurz hinter Bussoleno biegen wir auf eine einsame Schotterstrecke ab. Durch lichten Wald führt sie uns auf eine Talstufe, auf der der Ort Meana Di Susa liegt. Hier beginnt die kleine Straße zum Colle delle Finestre (2176 m). Sie ist bis zum Sattel Il Coletto (1452 m) geteert und zieht dabei in 30 Kehren gleichmäßig den Waldhang hinauf. An manchen Stellen gibt es dabei alle 200 m eine Kehre und man kann mehrere Kehren gleichzeitig überblicken. In weiteren 13 Kehren geht es durch Almgelände hinauf zur lange vorher sichtbaren Ruine der alten Festung an der Passhöhe. Auf der gesamten Auffahrt hatten wir wenig Verkehr.
Es ist spät geworden und wir bauen bald unser Zelt neben dem alten Bunker auf. Auch diese Nacht ist kalt (ca. 3 Grad). Vielleicht ist es besser, die nächsten Nächte im Tal zu verbringen und auf die Aussicht zu verzichten!

Der nächste Tag bringt leider Wolken. Schade, denn nach einer kurzen Abfahrt in den Almkessel nach Süden beginnt die Strada dell’ Assietta, eine alte Militärstraße, die uns über 35 km und einige Pässe den gesamten Kamm entlang bis nach Sestriere bringen wird. Aber das nebelverhangene Wetter hat vielleicht auch Vorteile: Bis auf wenige Motorräder und Jeeps sind wir alleine mit den tollen Nebelstimmungen. Bis zum letzten Pass, dem Colle Basset (2424 m), bewegen wir uns fast immer über 2000 m Höhe und so sind wir bei dem kalten Wind um den Kaffee im Refugio Casa Assietta froh. Entlang der Strecke sehen wir immer wieder Überreste alter Militäranlagen.

Die Abfahrt nach Sestriere ist relativ kurz, da der Ort selber auf einer Passhöhe liegt. Der Charme eines etwas heruntergekommenen Skiorts lädt nicht zum Verweilen ein, deshalb folgen wir gleich der Route weiter. Es geht am Hang entlang noch ein Stück bergauf, bevor wir auf Schotter zur Hauptstraße (SR23) hinunterfahren. Auf der kann man es bis Cesana Torinese laufen lassen. Der Ort ist nett hergerichtet, bietet aber erstaunlicherweise kaum Einkaufsmöglichkeiten. Auch hier ist durch Corona fast alles geschlossen und nur wenige Leute sind unterwegs. So suchen wir uns bald einen Biwakplatz. Dieses Mal im Tal und etwas wärmer.

Etappen

  1. Turin – Colle del Colombardo -> 69 km, 1900 hm
  2. Colle del Colombardo – Colle delle Finestre -> 62 km, 2100 hm
  3. Colle delle Finestre – Cesana Torinese -> 53 km, 1200 hm

Mittel-Teil – Cesana Torinese bis Sampeyre

In den kommenden 2 Tagen fahren wir ausschließlich auf Teerstraßen. Da das Wetter aber perfekt ist, müssen wir uns die Straßen mit “einigen” motorisierten Fahrzeugen teilen. Von Cesana Torinese geht es unter dem beeindruckenden Massiv des Mont Chaberton (auf ihm die höchste Festungsanlage der Alpen) entlang auf den Pass Col de Montgenèvre (1854 m). Das Straßentunnel können wir verkehrsfrei auf der alten Trasse umfahren. Sie bietet eine tolle Galerie und führt an steilen Felsen über dem Tal entlang.
Kurz hinter der Grenze zu Frankreich kommen wir durch den ausgestorbenen Wintersportort Montgenèvre. Nicht wirklich schön. Dafür aber die folgende Abfahrt nach Briançon. Auf der breiten und gut ausgebauten Straße geht es mit Blick auf die Festungsanlagen bergab. Briançon wäre zu schade, um nur durch zu fahren. Wir nehmen uns Zeit für die top hergerichtete Oberstadt, die zusammen mit zahlreichen alten militärischen Bauten ein ganzes Festungssystem bildet, das inzwischen zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.

Die Auffahrt zum Col d’Izoard (2360 m) folgt im ersten Teil einem kleinen Fluss bis zum Ort Cervières, bevor sie nach Süden in ein alpines Hochtal biegt, in dem es am Schluss in vielen Kehren auf die Passhöhe geht. Je höher wir kommen, um so besser wird die Sicht auf das entfernte Gletschermassiv des Barre des Écrins und wir sehen viele Murmeltiere, von denen einige ziemlich frech direkt neben der Straße sitzen bleiben. Von der Passhöhe und einem nahe gelegenen Aussichtspunkt hat man eine beeindruckende Aussicht.
Der Pass ist schon oft Teil der Tour de France gewesen. Das sieht man auch, denn vor und nach der Passhöhe sind viele Namen von Fahrern und Teams auf die Straße gemalt. Die ersten Kilometer der Abfahrt nach Süden gehen durch eine einzigartige Schutt- und Erosions Landschaft, bevor es in schönen Serpentinen hinab in den Talboden geht, in dem sich mehrere kleine Orte aneinander reihen. Hier finden wir Verpflegung und eine Biwakstelle.

Frisch ausgeruht geht es am nächsten Tag gleich vorbei am Fort De Château-Queyras und nach Ville-Vieille. Von dort aus führt uns eine recht kleine Straße über 20 km und 1400 hm auf den höchsten Punkt der Tour, den Col Agnel (2744 m). Nach zwei Bergdörfern geht es ohne viel Kehren (und vielleicht deshalb auch ohne viel Motorräder!) durch ein langes Tal mit Almwiesen. Das letzte Stück ist deutlich steiler. Nicht verwunderlich, dass der Pass, der auch schon Teil der Tour de France und des Giro d’Italia war, in die höchste Kategorie eingestuft wird. Bei traumhaftem Wetter erreichen wir die schmale Passhöhe des dritthöchsten geteerten Passes der Alpen und haben eine tolle Aussicht auf den Monviso, einen alle anderen Berge überragenden hohen Dreitausender, den wir schon am Beginn unserer Tour in der Ferne gesehen haben.

Die Abfahrt ist berauschend. Über der Baumgrenze windet sich die Straße die freien Hänge bis zum sehenswerten Bergdorf Chianale hinab. Etwas weniger steil geht es weiter bergab, an einem Stausee entlang, bis wir nach 32 km und 1700 hm das Städtchen Sampeyre erreichen. Hier können wir wieder gut einkaufen. Auf der Suche nach einem Biwakplatz beginnen wir den Anstieg zum nächsten Pass, dem Col di Sampeyre (2284 m). Erst durch Wald und dann durch Almwiesen zieht sich die kleine Teerstraße nach oben. Durch die fortgeschrittene Tageszeit sind wir ganz alleine unterwegs. Am Ende fahren wir noch zwei Drittel den Pass hinauf, bis wir in der Dämmerung endlich Wasser und eine ebene Stelle zum Zelten finden.

Etappen

  1. Cesana Torinese – Les Moulins -> 57 km, 1800 hm
  2. Les Moulins – Col di Sampeyre -> 69 km, 2300 hm

Süd-Teil – Sampeyre bis Mittelmeer

In der Morgensonne fahren wir die restlichen 400 hm auf den Col di Sampeyre. Wieder haben wir einen tollen Ausblick auf den Monviso, dieses Mal auf die Südseite. Inzwischen haben wir den Berg von fast allen Seiten gesehen.
An der Passhöhe beginnt eine alte Militärstraße (“Strada dei Cannoni“), die den gesamten Kamm nach Osten führt. Mit wenigen kurzen Zwischenanstiegen folgt sie abwechselnd auf beiden Seiten des Kammes dem immer niedriger werdenden Bergrücken. Die ersten 22 km sind Schotter und teils in keinem guten Zustand. Dafür sind die Trassenführung und die Fernblicke ein Ausgleich. Und es gibt praktisch keinen Verkehr. Ab dem Col Di Ciabra (1723 m) ist die Straße zwar geteert, doch nach wenigen Kilometern biegt die Route auf einen steilen und lockern Waldweg ab, der uns ins Tal nach Dronero bringt.

Dort beginnt das Valle Maira, das wir auf der verkehrsreichen Hauptstraße hinauf fahren. Es ist Samstag Nachmittag und der meiste Verkehr kommt uns zum Glück “nur” entgegen. Viele haben scheinbar das schöne Wetter für einen Ausflug genutzt. Bei Ponte Marmora übernachten wir am Fluss.
Die Auffahrt auf das Col del Preit (2080 m) ist auf den letzten gut 400 Höhenmetern für den Verkehr gesperrt. So können wir uns die sehr steile kleine Straße in “Ruhe” hinaufschinden. Oben angekommen stellen wir fest, dass es gar kein richtiger Pass ist, sondern nur das Ende des steilen Talschluss Kessels. Der Teer endet und es beginnt eine alte Militärstraße. Der Blick öffnet sich auf ein von Felsbergen umgebenes Hochtal. Durch die verschiedenen geologischen Formationen und teils steilen Berggipfel wird es “Little Peru” genannt. Die Landschaft ist eine der Höhepunkte der gesamten Tour. Dafür ist die Straße leider manchmal sehr anstrengend, der grobe Felsbelag ist nicht für Räder gebaut worden!
Über den Col Margherina (2420 m) geht es vorbei an Kasernen- und Bunker Ruinen zum Col Valcavera (2416 m). Hier tauchen wir für die über 20 km lange Abfahrt nach Demonte leider in einen kalten Nebel ein. Unten kommen wir ausgekühlt an, denn die Strecke ist geteert, es gibt keinen Verkehr und wir können es sausen lassen. Der Ort wird von einer viel befahrenen Straße durchzogen. So halten wir uns nicht lange auf und suchen uns einen Biwakplatz am Fluss.

Heute ist der erste graue Tag. Er beginnt schon zum Frühstück mit kurzem Regen. Bis auf wenige Tropfen hält das Wetter aber über den Tag durch. Die Etappe bringt heute zwei Pässe: Der Erste, Madonna del Colletto (1305 m), ist eine einsame Waldstraße. Geteert und gut zu fahren. Der Zweite, Colla Prarosso (1331 m), ist noch einsamer und hat wenige Kilometer vor und nach der Passhöhe herum guten Schotter. In Vernante erreichen wir das Tal, durch das sich die Hauptverbindung von Cuneo am Rande der Po-Ebene durch das Tenda-Tunnel nach Ventimiglia am Mittelmeer zieht. Nach wenigen Kilometern kaufen wir in Limone Piemonte noch einmal ein. Es ist die letzte gute Einkaufsmöglichkeit bis wir ans Meer kommen (hätten wir das mal gewusst!).
Der gesamte Talschluss ist ein leer wirkender Skiort, der im Sommer der Ausgangspunkt für die ligurische Grenzkammstraße (“Via del Sale“) ist. Da wollen wir hin und müssen zunächst auf das Col de Tenda (1871 m) hinauf. Doch an diesem Tag fahren wir nicht mehr ganz bis zur Passhöhe.

Für das Highlight, die Grenzkammstraße, haben wir gleich doppelt Glück. Das Wetter ist noch einmal schön geworden und es ist Dienstag. Denn seit einigen Jahren gehört die sonst so befahrene off-road Strecke an Dienstagen und Donnerstagen den Radfahrern und Wanderern. Und so sind wir heute fast alleine unterwegs.
Gleich am Beginn können wir die größte Kasernen- und Festungsanlage der Strecke (das Fort Colle Alto) anschauen. Alles ist offen zugänglich, nicht gesichert und beeindruckend groß. Dann geht es auf die ca. 40 Kilometer lange Schotterpiste, die sich ab dem ersten Pass (Colle Campanino, 2140 m) fast immer über 2000 m Höhe bewegt. Die Straße ist, bis auf einige lockerer Abschnitte, einigermaßen gut zu fahren. Über mehrere Pässe geht es durch einsame Karstlandschaft und wir treffen nur Kühe, Schafe und einige Murmeltiere. Neben den umliegenden Bergen gibt es immer wieder Überreste militärischer Anlagen zu bestaunen. Ab dem Passo di Framargal (2170 m) geht es langsam bergab und die Strecke quert mehrere waldige Bergrücken, bevor wir auf einem holprigen Betonweg steil in den menschenleeren Skiort Monesi di Triora hinabfahren. Wir hatten schon gehofft, hier oder im nächsten Dorf (San Bernardo di Mendatica) ein Restaurant zu finden, aber alles ist geschlossen. Entweder ist es Corona oder ist hier sowieso immer alles zu? So werden es doch wieder “nur” unsere üblichen Nudeln. Dieses Mal ist es gar nicht so einfach einen Schlafplatz zu finden, da die weitere Strecke führt viel durch steile Waldhänge führt. Da bleibt nur die Baustelle an einem alten Erdrutsch.

Die kommenden Tage bleibt das Wetter grau. Der folgende Abschnitt bis La Brigue ist sehr einsam, keine Dörfer, keine Häuser, kein Verkehr. Auf teils üblem Schotter überqueren wir den Colle di Garezzo (1795 m) durch ein kleines Tunnel und queren lange den Hang entlang nach Westen bis zum Pass Bassa di Sanson (1694 m), bevor es meist durch Wald wieder ins Tal geht. Mittendrin überrascht uns noch ein 450 Meter langes und unbeleuchtetes Tunnel! In La Brigue gibt es erst einmal einen Cappuccino. Der französische Ort, der bis 1947 zu Italien gehörte, ist schön hergerichtet und wirkt fast wie eine leere Filmkulisse. Wirklich sehenswert!

Durch das Roya Tal geht es weiter bergab. Unter uns der Fluss mit Gumpen und Felsblöcken, über uns die Brücken und Tunnels der Tenda-Bahn. Kurz vor Saorge biegen wir auf ca. 400 m Höhe in ein Seitental ab. Auf einer kleinen Teerstraße geht es steil bergan bis zur Grenze des Mercantour National Parks. Dabei fahren wir auf recht kurzer Strecke von Weinreben und Feigenbäumen hinauf in einen kühlen Bergwald. Überall stehen Ferienhäuser und wir finden erst am Beginn der Schotterstraße einen geeigneten Biwakplatz.

Im National Park ist die Straße bis zum Colla Bassa (1350 m) gut. Dann wird der Schotter locker und steil. Kaum fahrbar geht es am Kamm entlang ein letztes Mal auf über 2000 m hinauf. Dort treffen wir auf die kleine geteerte Rundstraße, die die Überreste militärischer Anlagen verbindet. Auf dem Gipfel des Berges thront die Festung “Pointe des Trois Communes“, zu der wir aber wegen des einsetzenden Regens nicht hinauf wandern. Es windet und ist kalt und wir fahren gleich ab. Auf kurvenreicher Straße geht es zum Col di Turini (1604 m) und immer durch Wald weiter hinunter in den langgestreckten Ort Peira-Cava. Auch dieser Ort hat wohl schon einmal bessere Zeiten gesehen. Alles ist geschlossen, keine Bäckerei, kein Laden.
Vor lauter Sehnsucht nach einem heißen Kaffee haben wir dabei kurz vor dem Ort die Abzweigung des Tracks verpasst. Wir planen um und fahren über die Pässe Pas de l’Escous (1008 m), Col de l’Ablé (1149 m) zum Pas de l’Abreé (1040 m), wo wir den Track, der aus dem Tal kommt, wieder treffen. Die Strecke ist durchwegs geteert und ohne Verkehr. Vor allem das erste Stück, die Abfahrt zum Pas de l’Escous ist fantastisch. Fast 20 Kehren sind auf engstem Raum kühn in den Hang gebaut. Wir sind zufrieden mit unserer Alternative zum “offiziellen” Track.

Die Landschaft ist inzwischen deutlich mediterraner geworden. Damit ist es aber auch viel trockener und es gibt nicht mehr an jeder Ecke Brunnen oder einen Bach. Ab dem Col de Braus (1002 m) fahren wir zum letzten Mal für einige Kilometer auf Schotter. Mit jedem der kleinen Zwischenanstiege und Pässe kommen wir ein Stück tiefer und haben immer wieder Blick auf die Küste und Nizza.
Erst am Rand des Ortes Sainte-Agnès finden wir wieder Wasser. Das Dorf wirkt unterhalb einer Burg und einer Festung wie an den Hang geklebt und gilt als eines der schönsten Dörfer Frankreichs. Da es schon dämmert, haben wir für eine Besichtigung leider keine Zeit mehr und müssen uns einen Biwakplatz suchen. Dafür radeln wir die Straße Richtung Col de la Madone (925 m) hinauf. Von mehreren Aussichtspunkten haben wir einen tollen Tiefblick auf die hell beleuchtete und dicht besiedelte Küste um Cap Martin und Menton. Hinter einem Tunnel finden wir schließlich den einzigen geraden Platz am Straßenrand und bauen unser Zelt auf. Unglaublich! Hier ist es einsam und still. Wir hören nur die Käuzchen, obwohl wir nur wenige Kilometer über der zugebauten Küste stehen.

Der letzte Tag der Tour beginnt mit einem kurzen Anstieg zum allerletzten Pass, dem Col de la Madone (925 m). Dann geht es auf gutem Teer hinab in die “Zivilisation”. Das graue Wetter mit leichten Regenschauern wird aufgeheitert durch fantastische Croissants, die wir im ersten größeren Ort finden. So gestärkt sausen wir die letzten Serpentinen zum Meer hinab. Hier müssen wir uns erst einmal wieder an den quirligen Verkehr gewöhnen. Vor allem in Monaco wird es kompliziert. Die Bebauung ist so dicht, das viele Straßen durch Tunnel geführt werden. Irgendwie finden wir dann aber den Weg zum “fürstlichen” Teil der Stadt. Nach einem kurzen Blick auf den Fürstenpalast und die Kathedrale radeln wir weiter und finden am Plage du Pont de Fer einen fast leeren Stadtstrand, den wir gut mit dem Rad erreichen können. Hier gibt es das wohl verdiente Bad im Meer.
Die restlichen 20 km nach Ventimiglia in Italien führen über das Cap Martin und durch den langgezogenen Ort Menton immer an der Küste entlang, abwechselnd auf Radwegen direkt am Strand oder auf der viel befahrenen Küstenstraße. In Ventimiglia schlagen wir unser Zelt auf dem Camping Roma auf. Der Platz ist fast leer und liegt nahe an der sehenswerten Altstadt, in der wir auch die lang ersehnte Pizza bekommen.

Etappen

  1. Col di Sampeyre – Ponte Marmora -> 69 km, 1000 hm
  2. Ponte Marmora – Demonte -> 54 km, 1700 hm
  3. Demonte – Limone 1400 -> 50 km, 1900 hm
  4. Limone 1400 – San Bernando di Mendatica -> 52 km, 1400 hm
  5. San Bernando di Mendatica – Val de Cairos -> 50 km, 1200 hm
  6. Val de Cairos – Sainte-Agnès -> 64 km, 1600 hm
  7. Sainte-Agnès – Ventimiglia -> 51 km, 500 hm

Die Rückfahrt nach Turin gestaltet sich problemlos. Am Vormittag steigen wir samt den Rädern in die Tenda-Bahn (Ventimiglia-Turin kosten gut 16 Euro pro Person inkl. Rad). Die spektakuläre Bahnstrecke führt durch das Roya-Tal, durch das wir vor ein paar Tagen mit dem Rad gefahren sind, und schraubt sich durch viele Tunnels und Schleifen bis auf 1000 m hoch. Sie gilt als eine der außergewöhnlichsten Bahnstrecken Europas, deren 50-jährige Bauzeit vor fast 100 Jahren beendet wurde. Durch ein Tunnel unter dem Col de Tenda geht es Richtung Cuneo in die Po-Ebene. Dort steigen wir um und sind in gut einer Stunde in Turin.


Ausrüstung

Räder

  • Intec M5 29er (Stahlrahmen)
  • DT Swiss 466d 32 Loch Felgen mit Schwalbe Hurricane 2,0 ” Reifen
  • Shimano XT 2×11 Antrieb (vorne 24/34, hinten 11-42)
  • Avid BB7 160mm Scheibenbremsen
  • Tubus Vega Gepäckträger hinten
  • Gepäckträger vorne (Eigenkonstruktion aus Tubus Stangen und Front Rack von Studio Brisant)
  • Shutter Precision PL-8 Nabendynamo
  • Cycle2Charge Ladeadapter
  • Ortlieb Classic Gepäcktaschen hinten
  • Ortlieb Ultimate Lenkertasche
  • Ortlieb Frame-Pack Toptube Rahmentasche
  • Ortlieb Packsäcke für Zelt und Schlafsack

Wohnen

  • MSR Mutha Hubba Zelt
  • Prolite regular Therm-a-Rest Matten
  • Western Mountaineering Ultralite Daunenschlafsack
  • Helinox Chair Zero

Kochen

  • Optimus Nova Benzinkocher
  • MSR Quick 2 System Topfset


Unsere Route

blau = Radtour, gelbe Kreise= wichtige Pässe, Zelt = Biwaks

Track-Datei (.gpx): Turin-Nizza-Route

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