Ätna

Die Nachmittagshitze in Catania ist heftig. Vor allem wenn es nach einer Brotzeit gleich ziemlich steil aus der Stadt geht. Zum Glück gibt es auf der stetig ansteigenden Straße nach Zafferana immer wieder Wasserbrunnen zum Abkühlen und Auffüllen der Flaschen. Die Strecke über San Giovanni la Punta und Viagrande ist durchwegs besiedelt und mit Obst- und Weingärten bestückt. Erst als wir hinter Milo in Fornazza auf die Straße zur Ätna Nordseite abbiegen, wird es einsam. Da es den Campingplatz vor Milo nicht mehr gibt, zelten wir auf knapp 900 m Höhe abseits der Straße im Wald. Es wird eine herrlich ruhige Nacht.

Am nächsten Morgen wartet die Straße mit gut fahrbaren Steigungen bis zur Skistation auf ca. 1800 m auf uns. Mit jedem Kilometer wird es grüner und kühler. Die Strecke quert mehrere tiefschwarze Lavaströme und ist, trotz Sonntag, wenig befahren. Nur Rennradler gibt es einige. Zwischendurch gibt es sogar eine Lavahöhle an der Strecke zu besichtigen. Oben angekommen sind wir inzwischen über jeden Sonnenstrahl froh. Doch leider ist der Berg schon seit dem Vormittag in Wolken gehüllt. Da wir am nächsten Tag eine Besteigung des Ätna versuchen wollen, suchen wir uns in der Nähe des Straßenendes eine geeignete Stelle, an der wir am Abend das Zelt geschützt aufstellen können. Wir haben Glück und finden in einer Toilette des Parkplatzes sogar einen Wasserhahn. Gegen Abend wird es empfindlich kühl.

Als um 5 Uhr der Wecker klingelt hat es nur ca. 6 Grad draußen. Doch der Gipfel steht wolkenlos da. Unsere Chance! Nachdem wir das Gepäck gut in den Büschen versteckt haben radeln wir über eine Schotterpiste Richtung Ätna Observatorium hinauf. Die Piste ist aufwärts nur ca. zur Hälfte fahrbar. Der Rest ist zu steil oder besteht nur aus lockerer Lavaasche. Auf einer Höhe von ca. 2800 m lassen wir die Räder stehen. Es ist niemand unterwegs und die Bedingungen sind optimal (mäßiger Wind aus NO und wolkenlos). Über den Rest des Fahrweges und dann weiter auf einem gut sichtbaren Weg steigen wir bis zum Rand des Hauptkraters auf. Es ist sehr beeindruckend, in den rauchenden und mit Schwefelablagerungen versehenen Krater zu blicken. Am Rand des Krater entlang steigen wir auf den höchsten Punkt des Nordkraters, mit 3327 m einer der beiden Gipfel. Auch in diesen Krater sieht man direkt hinein. Aber auch die Sicht auf die umliegende Landschaft ist faszinierend. Auf der einen Seite über das Meer bis nach Calabrien, auf der anderen Seite sieht man, wie sich ein Lavastrom in die Stadt Bronte geschoben hat.

 

Zur Erklärung

Diese Tour ist eine lange Bergtour. Für die 1600 Hm haben wir gut 4,5 Stunden benötigt. Sie sollte nur bei guten Bedingungen von Bergerfahrenen unternommen werden. Ab 2990 m ist es offiziell ohne Führer nicht mehr erlaubt! Die aktuelle Gefahrenstufe der vulkanischen Aktivität ist am Beginn des Weges ausgehängt.

Der Abstieg zu den Rädern war ein relativ weiches Hinab durch Lavaasche. Auch die Abfahrt mit den Rädern ging erstaunlich gut. Insgesamt eine Traumtour, bei diesen Verhältnissen. Nach dem Aufladen des Gepäcks folgten dann weitere 1000 Hm Passabfahrt Richtung Linguaglossa und weiter mit einigen Steigungen nach Randazzo. Hier gab es erst einmal ein verdientes Eis. Da es im Inselinneren keine Campingplätze gibt, mussten wir uns erneut ein „Plätzchen“ suchen. Dieses Mal hat es etwas gedauert. Das Tal ist landwirtschaftlich intensiv genutzt und so müssen wir ca. 6 km über eine sehr schlechte Schotterstraße entlang eines Baches in den Parco de Nebrodi hineinfahren, bis wir eine schöne Stelle direkt an einem Brunnen finden. Der anstrengendste Tag bisher geht zu Ende.

 

Route auf und um den Ätna (grün = Übernachtungen)

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